Der irdene Krug 3

Der irdene Krug 3

Es wurde Frühjahr und es wurde Sommer. Dennoch konnte sich der Pilot nur schlecht daran gewöhnen, dass Alera darauf bestand den Haushalt zu führen, zu kochen und sich auch um die Farm zu kümmern. Sie ritt mit ihrem treuen Hengst die Weidezäune ab, reparierte und flickte. Immer wieder erklärte sie ihm, dass sie in seinen Diensten stehen müsse, so verlange es Walvaters Gesetz. Dinge wie „Emanzipation“ oder auch Männer müssten Frauen dienen, quittierte sie mit einem Kopfschütteln. „Niemand dient niemandem. Jeder tut das, was er oder sie am besten kann. So einfach ist das!“, bestimmte sie eines Tages, als sie gerade das Bettzeug mit duftenden Blütenessenzen tränkte, die für guten Schlaf und sanfte Träume sorgten.

Der Pilot war „wegen psychischer Irritationen auf unbestimmte Zeit außer Dienst“, wie es hieß. Er litt sehr darunter. Er konnte es durchaus einsehen, dass er nicht mehr auf Kampfeinsätze geschickt wurde, doch reifte in ihm der Wunsch, als Ausbilder seine Erfahrungen weitergeben zu können. Mehrmals hatte er sich schon beworben und jedes mal war er abgelehnt worden. Alera ermunterte ihn, immer wieder zu schreiben. Wenn nötig so lange, bis der Zuständige einen neuen Schreibtisch brauchen würde, so fand sie. Schließlich wurde immerhin entschieden, dass er begutachtet werden sollte.

Immer wieder hatte er sich mit seiner Ex-Frau getroffen und in langen Gesprächen näherten sich die beiden wieder an. Sie hatte ihm gestanden, dass der jüngere Kommandant auf Grund seiner Erfolge attraktiv gewesen war. Von dem langen Gespräch zwischen ihr und Alera, verriet sie jedoch nichts. Alera hatte ihr vor Augen geführt, was einen Mann zum Mann machte, nämlich er selbst zu sein, egal was andere sagten. „Das,“ erklärte die Dise, „ist ein Mensch den wir einen Aufrechten nennen, verstehst du?“ Alera hatte, ganz selbstverständlich, die Ex-Frau des Piloten ins Vertrauen gezogen. Schließlich war sie die Ehefrau ihres Gastgebers und „Onkels“, wie sie sich immer vorstellte. Auf die Ehefrau des Piloten hatte Aleras Verhalten einen ganz merkwürdigen Effekt: Die Dise vertraute ihr, weil ihr Mann ihr Mann war! Ein machtvolles Wesen aus einer anderen Welt zollte ihr Respekt und Anerkennung, nicht obwohl sie mit dem wunderlichen Piloten verheiratet war, sondern gerade deswegen! Die beiden Frauen sprachen viel miteinander und so mancher leuchtende Kristall landete in Aleras Topf.

Die beiden Frauen kamen vom Einkaufen zurück und Alera blieb plötzlich stehen. „Wie wäre es,“ schlug sie vor „wenn wir einige deiner Kleider mit nähmen? Du bist doch mehr zu Hause als bei deinem Galan.“ Die Frau des Piloten sah die Dise groß an. Ja, sie hatte Recht. Ein neuer Respekt vor dem Piloten gebot ihr, ihn zunächst zu fragen, ob sie zurück kommen dürfe. Alera nickte zustimmend und lächelte erfreut. Auf der Farm angekommen, fanden sie den Piloten sehr aufgeregt: Der Termin für seine Begutachtung War festgelegt. Schon in der nächsten Woche sollte endgültig entschieden werden, ob er doch eine Zukunft als Ausbilder haben würde. Seine Frau näherte sich ihm fast schüchtern: „Darf ich dich etwas fragen?“ Er sah sie überrascht an und nickte. „ Ich bin sehr oft hier, und ich bin gerne hier,“ begann sie. „Darf ich ein paar meiner Dinge her bringen? Und,“ Tränen stiegen in ihre Augen, „darf ich vielleicht irgendwann ganz wieder nach Hause kommen?“ Sie stand vor ihm wie ein kleines Mädchen. Auch der Pilot musste schlucken. Er nahm sie in die Arme und drückte sie behutsam an sich. Sie sank in seine Umarmung und hielt sich an ihm fest. Zum ersten Mal.

Alera hatte sich taktvoll zurück gezogen, um sich um ihr Pferd zu kümmern. Doch dem inneren Blick der Dise war nicht verborgen geblieben, was sich in der Küche abspielte. Sie lächelte glücklich und sagte zu ihrem Pferd: „Siehst du? Wir sind vielleicht hier gestrandet, aber wir sind nicht untätig. Und du? Wirst mir sehr bald schon helfen müssen.“ Sie nahm das seidige Ohr des tintenschwarzen Tieres und flüsterte hinein. Der Hengst schnaubte mehrfach. Als sie zurücktrat und ihn fragte, ober er das tun wolle, bäumte er sich auf und wieherte laut. Alera lobte ihren mutigen und starken Freund und ging mit geheimnisvollem Schmunzeln zum Haus.

Sie fand das Paar, das langsam wieder zueinander fand, lachend und scherzend. Sie jagte ihn gerade die Treppen hinunter um ihr gestohlenes Halstuch wieder zu bekommen. In gespielter Entrüstung stemmte Alera die Hände in die Hüften und schalt sie in scherzhafter Drohung: „Habt ihr Unordnung gemacht? Etwa das Bett zerwühlt? Ich werde es nicht noch einmal her richten, ich warne euch! Schafft selber Ordnung in eurem Haus!“ Beide erröteten wie auf Stichwort und stimmten dann in Aleras Lachen mit ein. Einen Moment drehte sie den Kopf und lauschte. Entschlossenheit breitete sich auf dem Gesicht der Dise ein. Sie murmelte: „Es ist dein Wunsch, und so soll es sein!“ Den fragenden Blick der Eheleute beantwortete sie nicht.

Der Tag der Begutachtung war da und der Pilot war sehr aufgeregt. Der Stützpunkt war festlich geschmückt und vorbereitet für den Empfang der ranghohen Delegation. Inzwischen war die Frau des Piloten wieder ganz zu ihm gezogen und der Kommandant hatte schwer daran zu schlucken, dass diese schöne und kluge Frau, die ihn so sehr geschmückt hatte, ihn verlassen hatte. Daher hatte er dafür gesorgt, dass sich zwei weitere erfahrene Piloten, ohne Einträge in der Akte übrigens, um den Ausbilderposten bewarben. Als Aleras Wahlonkel davon erfuhr, war er sehr bestürzt. Wie sollte er gegen diese beiden antreten? Alera ging zum Ranghöchsten der Delegation und hakte sich vertraulich bei ihm ein. Sie lächelte, schmeichelte und gurrte mit ihm, flüsterte vertraulich und ließ ihm keine Wahl, dem Zauber der Dise zu entkommen.

Nachdem die Begrüßungsreden gehalten worden waren, begannen die Einzelgespräche. Es dauerte sehr lange. Schließlich erschien der Mann wieder und verkündete: „Alle Bewerber haben ihre Vorzüge, doch keiner hat mich ganz überzeugt. Da es hier um die Führung und Anleitung junger Piloten geht, habe ich mich für einen Wettkampf entschieden.“ Er wies hinter sich auf ein riesiges Waldgebiet. „Hier hinter mir, werden gerade mehrere Stationen eingerichtet. Jeder von Ihnen wird einen jungen Reiter losschicken, der alle Stationen und schließlich das Ziel auf kürzestem Weg erreichen muss. Sie erhalten eine Karte und eine Stunde Zeit, um ihren Reiter einzuweisen. Der, dessen Reiter gewinnt, ist für die Einstellungsprüfung qualifiziert.“ Ein Raunen ging durch die Menge, denn so etwas hatte es noch nie gegeben. Die übrigen Delegierten waren zunächst irritiert, fanden dann aber die Idee hervorragend, denn im Grunde genommen war hier genau das gefragt, was die Ausbilder dann tagtäglich tun mussten.

Die beiden anderen Bewerber schickten ihre sehr sportlichen Söhne, die gute Reiter waren ins Rennen. Für den Piloten ging Alera an den Start. Sie war zwar eine Dise, doch war sie auf der Erde verletzbar, sie konnte ermüden und sich auch verirren. All das sagte sie ihrem „Onkel“, der mit ihr die Route plante. „Das gleiche gilt übrigens auch für mein Pferd“, erläuterte sie. „Wir müssen die Wege reitend überwinden und er kann nur wie ein irdisches Pferd laufen.“ Der Pilot nickte und sie sann gemeinsam über die beste Route nach. Schließlich war die Stunde verstrichen und die Reiter gingen an den Start. Alle sieben Wimpel mussten gebracht werden, sonst war man disqualifiziert. Es nutzte also nichts, abkürzen zu wollen. Als Alera an die Startlinie kam, sah sich den lüsternen Blicken ihrer Mitstreiter ausgesetzt. Abschätzige Bemerkungen weckten den Zorn der jungen Frau. Der Startschuss fiel. Die Pferde erschraken und machten einen Satz nach vorne. Alera wäre fast gestürzt, es gelang ihr jedoch, sich auf dem Rücken ihres Pferdes zu halten.

In wildem Galopp stürmten ihre Gegner geradewegs mitten in den Wald. Die junge Dise jedoch wies ihr Pferd an, sich den Weg langsam und vorsichtig zu bahnen. Schon bald sollte sich dies auszahlen, denn die junge Frau erreichte weit vor den anderen die erste Station. Sie hörte entfernt die Rufe des Publikums, als sie tiefer in den Wald ritt. Die Stille umfing sie, und sie konnte das Flüstern der Baumgeister hören. Plötzlich hob sie den Kopf: „Alera!“ hörte sie in ihren Gedanken. „Ja, Onkel?“ erwiderte sie. „Denke an den Sumpf! Er ist genau vor dir. Man sieht ihn nicht. Fünf Bäume stehen außen herum.“ Alera sah sich um, als ihr Pferd plötzlich scheute. Der Boden unter ihm gab nach! Alera sprang vom Rücken des Tieres und ergriff den Zügel. Mühsam gelang es ihr, das Tier dazu zu bringen, rückwärts zu gehen. Sie waren mitten im Sumpf. Ihre Mitstreiter kamen vorbei, lachend und höhnend zunächst, doch dann sahen sie, dass Alera wirklich in Gefahr war. Sie saßen ab und Alera rief: „Kommt nicht näher! Der Boden ist tückisch!“ „Aber du musst da wieder raus!“ rief einer der jungen Männer zurück. Entschlossen ergriff er einen großen Ast und streckte ihn der jungen Frau entgegen. Alera schlang entschlossen ihren Arm um den Hals ihres Pferdes und zog es mit sich. Mit eisernem Griff packte sie den Ast und zog sich daran auf die beiden jungen Männer zu. Die waren starr vor Entsetzen, denn diese „süße Maus“, ihr höflichster Titel für Alera, hatte offensichtlich die Kraft von zehn Männern! Auf halbem Weg ermüdete Alera. Sie begann zu sinken. „Weiter!“ schrien die beiden Männer wie aus einem Mund. „Komm, es sind nur noch ein paar Meter.“ Doch die Dise hörte nur noch ihr Blut im Kopf rauschen, als sie von Dunkelheit umfangen wurde.

Am Waldrand wartete das Publikum ungeduldig auf die Reiter, doch es war nichts zu sehen. Der Pilot machte sich Sorgen. Als Alera ohnmächtig wurde, fühlte er eisige Kälte in der linken Hand. Niemand musste ihm sagen, dass der Dise, die er inzwischen wirklich wie seine Nichte oder gar seine Tochter liebte, etwas geschehen war.

Alera kam wieder zu sich, weil ihr Pferd an ihrem Haar zupfte. Wo war sie? Ach ja, der Wald! Sie setzte sich auf. Die Karte hatte sie verloren, nun, es würde dauern bis sie hier wieder heraus fand, so viel war sicher. Sie war betrübt und beschämt. Das Wispern der Waldgeister hatte sie abgelenkt und nun war alle Hoffnung verloren. „Oh gut, du bist wach!“ hörte sie den Jüngeren ihrer Mitstreiter hinter sich. Sie wandte sich erstaunt um. Auch der andere Wettkämpfer kam auf die Lichtung. „Deinem Pferd ist nichts passiert. Nachdem ich es davon überzeugen konnte mich nicht auf zu fressen, habe ich mir sein Bein angesehen. Die Sehnen sind etwas gedehnt, nicht schlimm.“ Alera sah die beiden mit großen Augen an. „Ich studiere Tiermedizin, weißt du?“ sagte der Ältere zwinkernd. Der Jüngere fand, dass Alera etwas essen müsste, weil sie sehr blass war. Sie hatte im Sumpf alles verloren. Nun, das musste warten, befand sie und wollte entschlossen aufstehen. Erneut sauste es in ihrem Kopf und sie sank zurück auf den Boden. „Ich habe es doch gesagt! Du musst essen! Hier!“ mit diesen Worten hielt ihr der Jüngere einen Schokoriegel vors Gesicht. Alera aß das sehr süße Ding vorsichtig und fühlte, wie ihr besser wurde. „Es wird schon dunkel,“ sagte sie leise. „Kennt ihr den Weg?“ „Ja,“ antwortete der Jüngere „aber ich sehe überhaupt nichts.“ Alera erhob sich und sagte: „Ich sehe wie am Tag. Du sagst wohin, ich führe dein Pferd!“ Der Ältere hätte eigentlich voraus reiten können, doch er blieb bei den beiden. Alera war immer noch benommen und so lenkte er sein Pferd nahe neben ihres, damit sie nicht stürzte.

Auf dem Stützpunkt waren die Flutlichter an und die ersten Rettungscrews machten die Hubschrauber klar, denn es dauerte allen Anwesenden inzwischen zu lange. Der erste Pilot ging zum Helikopter, als die drei Reiter am Waldrand auftauchten. „Sie sind zurück!“, rief er. „alle drei“. Das Publikum jubelte und begrüßte die jungen Leute mit großem Applaus. Sie berichteten, was geschehen war. Nun, laut Spielregeln hatte keiner gewonnen. Der älteste Wettkämpfer ergriff schließlich das Wort: „Wir alle haben unser Bestes getan. Und wir haben uns gegenseitig geholfen, als es nötig war. Das sollen die Piloten hier auch lernen. Warum müssen wir entscheiden, wer die Stelle bekommt?“ Alera lächelte in der der Dunkelheit. Ja, das Leuchten der Seele dieses jungen Mannes war stark. Er würde ein ehrenvolles Leben führen.

Die beiden anderen Bewerber begannen, heftig auf den Ranghöchsten einzureden. Der Pilot jedoch bat nur höflich um Entschuldigung, dass er jetzt seine Nichte nach Hause bringen wolle, um sich um sie zu kümmern. Alera ließ den Kopf hängen. Nun war alles zu spät. „Es ist nicht wichtig,“ sagte der Pilot sanft, als er Alera zu deckte. „Das wichtigste ist, dass dir nichts Schlimmes passiert ist.“ Alera schlief erschöpft ein.

Am nächsten morgen, sie machte gerade Frühstück, erschien der Kommandant auf der Schwelle. Er klopfte und wartete, bis Alera ihn herein bat. Nun, zumindest das hatte sie geschafft, dachte sie mit einem zufriedenen Lächeln. Sie bot ihm Kuchen und Kaffee an, die der Kommandant gerne annahm. Der Hausherr erschien und begrüßte den Standortkommandanten, der sich ganz selbstverständlich erhob, um den Gruß des Piloten zu erwidern. Alera verließ die Küche, in der die beiden Männer lange miteinander sprachen. Schließlich ging der Kommandant wieder und Alera sah in der Hand des Piloten einen Brief. Der grinste sie breit an. „Was denkst, was darin steht?“ Nun, Alera konnte nicht lesen, wozu auch? Sie war eine Dise. Sie setzte sich und wartete geduldig. Schließlich bat der Pilot seine Frau herunter um allen die Neuigkeiten zu verkünden. Er las vor:

„Verehrter Bewerber,

da Sie sich gestern entschlossen, nicht um die Stelle zu streiten, weil Sie sich lieber um Ihre kranke Nichte kümmern wollten kam ich zu dem Ergebnis, dass Sie der einzig richtige Mann für die zu besetzende Stelle sind. Ich hoffe, Ihrer Verwandten geht es besser und erwarte Ihren Dienstantritt am 15. dieses Monats.

Mit freundlichen Grüßen

….“

Großer Jubel brach aus, denn nun hatte der Pilot eine neue Zukunft, eine neue Aufgabe, die ihm noch zu viel Ruhm verhelfen sollte.

Der Sommer und der Herbst vergingen, und der Winter kam. Die Raunächte näherten sich und Aleras Exil würde bald ein Ende finden. Zumindest falls die Hohe Göttin kam, und sie holte. Mit jedem Tag der verstrich wurde Alera verzagter. Es gab keinen einzigen Hinweis. Die Raunächte begannen. Eine um die andere saß sie auf der Veranda und starrte in den Himmel. Nichts. Kein Hundegebell, keine Jäger, nichts. In Aleras Herz machte sich die Furcht breit, dass sie verbannt worden war. Holda konnte das tun, denn sie hatte ja gegen ihr Gebot verstoßen. Als die letzte Raunacht dämmerte, beschlossen der Pilot und seine Frau mit der tief traurigen Dise zu wachen. Die Pilotengattin legte den Arm um Aleras Schulter und sagte: „Wenn sie nicht kommen, dann bleibst du bei uns. Du hast mir gezeigt, wo mein zu Hause ist und ich möchte, dass es auch deines ist.“ Alera begann zu weinen und schmiegte sich an die Menschenfrau, als wäre sie ihre Mutter. Doch, was war das? Waren da nicht Glöckchen? Und Hufgetrappel? Nein, sie musste sich geirrt haben.

„Ich bin Holda. Die, die den Winter vertreibt und die Frucht an die Bäume lockt. Und ich fordere meine Zofe Alera auf, ihren Dienst anzutreten!“, hörte sie plötzlich hinter sich. Alera atmete so heftig auf, dass es klang wie ein lautes Schluchzen. Sie löste sich aus dem Arm der Piloten Gattin und knickste tief vor der strahlenden Gestalt auf der Wiese. Der Pilot und seine Frau standen auf der Veranda und waren ganz still, um unbemerkt zu bleiben. Eine tiefe Stimme hinter ihnen fragte: „In einer Raunacht? Unbemerkt bleiben? Von uns? Es sind doch erst 40 Jahre, da du von deinen Großeltern lerntest!“ Der Pilot drehte sich um und sah mit einer Mischung aus Freude und Entsetzen den Einäugigen höchst selbst in seinem Schaukelstuhl sitzen. „Komm setz dich und berichte mir! Hat die Dise sich bewährt?“ Gehorsam setzte sich der Pilot und erzählte. Inzwischen hatte Holda die Pilotengattin freundschaftlich untergehakt und hörte ihre Erzählung.

Nachdem Odin und Holda beraten hatten, wurde schließlich Alera herbei gerufen. Holda sprach: „Ungehorsam wie du warst, hast du den Preis bezahlt. Ein Jahr der Verbannung. Der Topf, er wurde nicht leer und auch nicht voll.“ Alera senkte den Kopf. „Gehorsam warst du gegen mich,“ erwiderte eine tiefe Stimme. „Die Erde hast du erlebt, mit ihr gelebt und uns neue Geschichten gebracht. Ehrenvoll hast du gehandelt und auch andere an die Ewigen Gesetze erinnert.“ Eine sanfte Stimme, ganz nah an Aleras Ohr setzte fort: „Voller Stolz blicke ich auf dich, und wäre geehrt, wenn du deinen Posten unter meinen Frauen wieder einnehmen wolltest. Doch ist es deine Wahl, denn du hast nun auch auf der Erde Familie.“

Alera ging zum Piloten und seiner Frau. Sie nahm jeden an einer Hand und führte sie vor das Hohe Paar. „Wir haben eure Geschichte gehört,“ sprach der Einäugige. „Wenn ihr es wünscht, so werden wir euch in stiller Nacht unter den Sternen erneut vermählen.“ Die beiden Menschen hatten Tränen in den Augen, als sie den Segen der Hohen entgegen nahmen. Man feierte bis zum Morgengrauen und der Abschied war tränenreich. Als Alera auf saß, klopfte ihr Herz bis zum Hals. Ihr schwarzer Hengst stürmte in der Wilden Jagd mit und als er abhob, zerriss ihr Jubelschrei die Stille.

In jedem Jahr ist sie seitdem für einen Tag und eine Nacht zu ihrer Erdenfamilie zurück gekehrt. Vieles trug sich zu, und Alera wurde zur Höchsten der Damen in Holdas Gefolge, denn sie fungierte als Botschafterin zwischen der Erde und Asgard. Bis heute ist das so. Wenn Ihr sie seht, habt keine Angst. Alera ist freundlich und sanft geworden, denn sie kennt die Menschen inzwischen genau.

Bildquelle: Antranias/pixabay.com

Kommentar verfassen