Der allergrößte Weihnachtswunsch

Der allergrößte Weihnachtswunsch

Es war Advent und das Christkind hatte viel zu tun: Die Erde musste bereist werden, alle Wunschzettel mussten eingesammelt, und den vielen Mamas, Papas, Omas und Opas mussten Ideen für süße Plätzchen zugeflüstert werden. Das alles konnte das Christkind natürlich nicht alleine machen, darum hatte es ein Team von Engeln, die ihm halfen. Genauso wie der Weihnachtsmann mit seinen vielen Elfen. Manchmal trafen sich das Christkind und der Weihnachtsmann und plauderten ein bisschen. So auch in dieser Adventsnacht.

Alles lag unter einer Decke aus Schnee und es war ganz still. Das Christkind saß auf einer Bank, und seufzte tief. Der alte Weihnachtsmann legte lächelnd den Arm um den strahlenden Weihnachtsengel. und fragte: „So ein tiefer Seufzer in dieser schönen Nacht?“ Das Christkind seufzte erneut und nickte. „Weißt du, was das da drüben ist?“ , fragte es und streckte den Arm aus. Das Kleid des Christkinds war noch weißer als der Schnee und schimmerte sanft. Der Weihnachtsmann schaute in die Richtung, sah aber nur ein Feld. Er hatte seine Brille nicht dabei und in den letzten Jahrhunderten hatte seine Sehkraft etwas nachgelassen. Er schüttelte den Kopf. “ Das ist ein Fußballplatz. Ich würde sooo gerne auch einmal Fußball spielen.“ Nun seufzte der Weihnachtsmann. Er kannte die Begeisterung des Christkinds für Fußball sehr gut. Wenn irgendwo ein Spiel war, richtete es heimlich das Teleskop auf die Erde und sah dabei zu. Nun ja, heimlich…Bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr hatte es seine Lieblingsmannschaft derart laut angefeuert, dass es einige Tage lang heiser war und vom Heiligen Petrus sogar zum Küchendienst verdonnert worden war, weil es mit seinen Jubelrufen die himmlische Ruhe doch empfindlich gestört hatte. Fußball spielen im Himmel kam überhaupt nicht in Frage.

„Weihnachtsmann?“, fragte es und nahm die Hand des alten Herren, der bereits ahnte, was kam. “ Du erfüllst eben so vielen Kindern ihre Weihnachtswünsche, wie ich, nicht wahr?“ Der Weihnachtsmann nickte. „Und irgendwie bin ich doch auch ein Kind….Würdest du mit mir ein Fußballspiel spielen? Ich und meine Engel, gegen dich und deine Elfen?“ Der Weihnachtsmann sah das Christkind ganz erstaunt an. „Bitte, bitte, bitte. Ich wünsche mir das so sehr und hier ist doch niemand!“ Der Weihnachtsmann sah, dass das Christkind Tränen in den Augen hatte. Um seine alten Knochen machte er sich keine Sorgen. Die Macht der Heiligen Nacht brachte ihm die Kraft eines jungen Mannes und der geheime Tee von Frau Weihnachtsmann würde ihn auch hinterher schon wieder fit machen. Nein, die Menschen machten ihm Sorgen. Eigentlich durfte nämlich kein Erwachsener je die Weihnachtswesen sehen. Aber er war der Weihnachtsmann und so er konnte dem Christkind seinen sehnlichsten Wunsch unmöglich abschlagen. Beide vereinbarten, sich in der Heiligen Nacht mit ihren Teams an diesem Fußballplatz zu treffen und setzen ihre Wege fort.

Als der Zeugwart des kleinen Fußballvereins, dem der Platz im Nirgendwo gehörte am nächsten Tag kam, ahnte er natürlich nicht, wer sich des Nachts hier getroffen hatte. Wie jeden Tag sah er nach dem Rechten, schaute ob alle bunt zusammen gewürfelten Trikots da waren, die wenigen Bälle und ob die Tore auch ordentlich am Boden lagen. Danach ging er in sein kleines Häuschen. Heute war wieder Training und so arm der Verein auch war, alle Kinder kamen und waren mit Feuereifer dabei. Der alte Zeugwart lächelte beim Gedanken an die Kinder, ihre Eltern und Großeltern. So manchen Sieg hatten sie schon errungen, auch wenn das Geld nicht einmal für eigene Mannschaftstrikots reichte. Er seufzte, denn der Platz hatte schon bessere Zeiten gesehen. Die Tornetze waren inzwischen bunt vom vielen Flicken, die Bänke rostig und die Platzbemalung sah man nur noch, wenn die Sonne genau über dem Fußballfeld stand. „Er ist nicht schön, aber er ist unser Platz.“ sagte er laut. Als er ging murmelte er vor sich hin:“ Ich wünschte nur, wir könnten den Kindern mehr bieten.“ „Zumindest Trikots. Und ein paar Trainingshilfen oder neue Tore.“ hörte er hinter sich. Der Zeugwart sah sich um und nickte dem Vorstandsvorsitzenden zu. Gemeinsam gingen sie auf das Häuschen zu als plötzlich….Die beiden Männer blieben wie angewurzelt stehen. „Hast du das gesehen?“ der andere nickte.“ Hat ausgesehen, wie ein Schneegeist.“ sagte der Zeugwart. Er galt als etwas wunderlich weil er behauptete, er hätte schon einmal den Weihnachtsmann gesehen. Der Vorsitzende seufzte und sie gingen ins Haus.

Die Adventszeit verstrich und im kleinen Verein gab es dieses Jahr keine Weihnachtsfeier. Am ersten Feiertag jedoch kamen immer alle zum Platz um zusammen zu singen. Niemand wusste genau, wer diese Tradition begonnen hatte, aber alle hielten daran fest. Der Heilige Abend brachte Schnee. Sehr viel Schnee. So viel, dass der Vorstandsvorsitzende und der Zeugwart im kleinen Häuschen am Platz bleiben mussten. Sie unterhielten sich bei heißem Tee und fühlten beide zunehmend jene leuchtende Stille, die man als den Zauber der Weihnacht bezeichnet.

Plötzlich begann die Luft in der kleinen Hütte zu schimmern. Es duftete nach Orangen und Zimt. Und…was war das???? Eine Pfeife?? Das waren doch….die Geräusche eines Fußballspieles! Zeugwart und Vorstandschef gingen hinaus und trauten ihren Augen kaum: Strahlende Gestalten spielten auf ihrem Platz! „Der Torwart sieht ja aus wie der Weihnachtsmann!!!“ stotterte der Vorstand verdutzt. „Das IST der Weihnachtsmann!“ rief der Zeugwart begeistert und rannte auf den Platz zu. Der Vorstand holte ihn ein und blieb wie angewurzelt hinter dem Tor stehen, in dem der Weihnachtsmann gerade den Torschuss des Christkindes abwehrte. Er drehte sich zu den Menschen um und sagte:“ Ich weiß es ist euer Platz und wenn ihr wollt, werden wir sofort gehen. Aber es ist der sehnlichste Wunsch des Christkindes, einmal richtig Fußball zu spielen.“ Der Vorstand brauchte noch einen Moment, ehe er die Sprache wieder fand, inzwischen hatten sich die beiden himmlischen Teams um die Menschen versammelt und warteten gespannt. Schließlich sagte er: „Ihr könnt so nicht spielen ohne Schiedsrichter. Ich werde auf dem Platz pfeifen, unser Zeugwart achtet aufs Abseits.“ Unter großem Jubel wurde das Spiel fortgesetzt. Es ging übrigens unentschieden aus. Zumindest auf dem Platz.

Am nächsten Morgen wachten der Zeugwart und der Vorstand in ihren Betten auf und erinnerten sich an einen lebhaften Traum: sie waren Schiedsrichter gewesen beim Turnier Weihnachtsmann BSC gegen den FC Christkind. Wie auch immer, es wurde Zeit, zum Platz zu gehen, die andern waren bestimmt schon da. Als sie kurz nacheinander kamen, war eine merkwürdige Ruhe in der Luft. Mäxchens Mutter kam mit Tränen in den Augen auf die Beiden zu gelaufen und rief: “ Es ist ein Weihnachtwunder passiert! Kommt schnell“ Der Platz lag in leuchtendem grün und frisch bemalt unter der Wintersonne. Neue Tore lagen ordentlich an den Seitenlinien. Das Häuschen des Zeugwarts war frisch gestrichen und in den Regalen lagen Trikots und Fußballschuhe für die ganze Mannschaft! Hinter der Tür ein Netz mit lauter neuen Bällen und allem, was sich die Trainer im letzten Jahr gewünscht hatten. Unter seiner Teetasse fand der Zeugwart einen Zettel auf dem stand: „Du hast mir meinen größten Wunsch erfüllt und so soll deiner auch wahr sein. Sag dem Vorstand nichts, er soll ruhig denken, er habe geträumt. Vielen Dank und bis zur nächsten Weihnacht, der Weihnachtsmann will nämlich Revanche. Dein Christkind.“ In einem kleinen Funkenregen verschwand der Zettel, nachdem der alte Mann gelesen hatte. Als er wieder hinaus trat zu seinen singenden Kindern, so nannte er alle im Verein heimlich, schien es, als hätten sich zwei Weihnachtsfünkchen in seine Augen verirrt, so sehr strahlten sie. Er glaubte, hinter einen Tor ein Funkeln zu sehen und flüsterte: „Danke, liebes Christkind und bis nächstes Jahr.“

Bildquelle: StockSnap/pixabay.com

Kommentar verfassen